DAS
RHEINISCHE
PLATT
Georg Wenker
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litte
THE GIFT OF
WILLIAM G. KERCKHOFF
TO THE
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
AT LOS ANGELES
THE LIBRARY OF
FRIEDRICH KLUGE
6 Bööhfikr ioot for Song on Hit!
Jlo feettnb tr Hljrr, tote mer fcoüt
5er gonje jSljtng oon «ttblenj on,
«n od| en Staat es Ijengt oron.
ttf(r<rn des l^inhit^s
geroifcmet con
UNIVEilSITY of CAT 1
OS ANGEL!
3m @eltfil>erfage be$ 3?erfaffcr*..
1877.
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3025
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«in ^iprd)en als (Einleitung.
3u ftöln mar große faubmtrtfyfcfyaftficbe $lu«ftelfung. $)a
bin i<$ aucfy Eingegangen; menn aber (Stner meint, icfy märe ber
©acfyen megen tyingefommen, bie ba all' feljen waren, fo irrt
er ficfy gemaltig, unb e« rätt; au<$ fo leicht 9Memanb, ma« idf»
benn eigentlich ba auf ber 5lu«ftellung mollte.
3cfy »erbe aucfy moljl ber einjige unter all' ben taufenb
2ttenfcfyen gemefen fein, ber bie 2lu«ftellung befugte, um 'mal
eJi mieber red^t ectyt platt fprec^en $u ^ören. Da« fonnte man aber
2J' ba tyaben! Da maren £eute au« alten ßcfen ber föbeiu^
protoinj, »on Hachen unb au« bem Söergijctyen, au« ber (iifel unb
JJ au« bem Dberlanb. 3d) [trieb ben ganzen borgen überall fyeruuv
1 fafy oiel unb Ijörte noefy meljr, unb mär' moljl noety länger ba
: } geblieben, menn'« nicfyt ein ganj fcfyredlicfy Reißer «Sommeriag ge-
1 mefen märe. Drum ging icb benn in'« näd;fte 2Birtfj«l>au«, roo
^ icfy gute« 33ier mußte, um mir ba mit einem fleinen grütjfcboppeu
^ all' ben ©taub, ben tefy gefcfylucft, meg^ufpülen. Da brinnen im
-j 2Btrtfy«fyau« mar'« aber fcfyon pinneooll , mie fiefy 3eber benfen
fann, unb ici> fanb mit SDJütje noefy ein ßcfpläfccfyen an einem Xtfcfy
frei. 3d) l)att ? « übrigen« gut getroffen, mie icfy balb merfte, benn
an bem ganzen £tfcfy maren faum bie au« bemfelben Ort
gemefen mären. Da faß ein fibeler §>err mit $mei luftigen Singen
ein Kölner bom reinften SÖaffer, ber führte offenbar ba« erfte
SBort. „9Jo, Crljr §äre", fragte er lad&enb, „ban id? ücb feine
jobe 9?otfy jejemme, met mer Ijefyer jo jonu? G« bat nit e ftfybn
©lä«c$en $3eer?" — „Dat aß fetying Söier, bat moß mer fotm!"
fagte fein 9cacfybar, ein mofylbeleibter öauer«mann im blauen
Littel mit einem fonnberbrannten ®eficfyt, unb tranf einen fi eif-
rigen ©ctyiutf. „2Bat fenn bann bat lo tjanne fir jmu febing
Reifer?" fragte er bann ben tölner unb mie« burdv« ftenfter.
9ftein fölner fal> in bie ^iebtung unb fcpttelte ben Hopf: „mat
fall bo finn? iety finn ui$ anberfety al« jmei £übfer." — „Do
$ätt be $ä$r jo od) nob gefrogt!" manbte idb mieb jefct läcbelnb
an bie Skiben, „mer foge be: 3m ei £üf>fer, ämmer bo bingen
im Xrier'jcbe, bo beeßt bat: jmu Reifer, ©ibb etyr nitt u«'m
159765
uigmz
4
£rierfct)e $u£ur)3?" fragte ict) tarnt ben £>icfen im Mauert Littel.
£)er niefte erftauut : „(Sict) fenn ouä £afyr, bat teit bei "Dtfeuerburg.
Gn?e( £>er fibb toofjl befant bei ir)$, bat £)er fu goub it)s <Sprooct)
berfrit?" — „ s #e! ertoieberte ict) ir)m, „ict) bin mi Lerne noct) nitt
bei s }ieuerburg ober bo erümm getoäfe." — „$Öo t)att £t)r
bann bat bolle tyiatt gelebt, bat fann jo feine 2flinfcr) bun uns
afl r)e berftonn?" fur)r jefct ber Kölner neugierig fjerauä, unb ein
2(nbrer, ein breitjcr)u(triger 9?iefe mit großem Vollbart meinte:
„9te, ecf t)äbb ber ne£ ban oerftanbe, trat gety borr fo effeö ber*
teilt t)äbt," unb babei fachte er recr)t gemütfylidr). „9ca, (£r)r fibb
fect)er uS'm (Sleb'fct)e!" fpract) ict) 2)en jefet an, „on toenn ect) Occt)
no<$ fönf üttinutte falle t)ör', bann rteü ecr) Oect) oct) fage, u$
toeldjer ®egenb (5t)r ju |mt)$ fibb." Crr fct)üttelte ungläubig ben
Hopf: „Gm feit> Einritte? bat fann ecf ollij nit well glöroe; on'*
ßleoß ßattb efe groot." — „O, ict) t)amt et fct)on erut)8, (5r)r fibb
uö £ranenburg, ober feen jtoet ©tonb berbon gebörtig!" i)er
SKRami fa$ mict) ganj oerbufct an unb es bauerte eine Seite,
et in feinem Staunen r)erau$brad)te : „(5cf fij bau 3tyfflicfy to
§ii£, ma« toi fönt gelltj bat roeten?" „ s #t)a" oerfefcte ict), „t)antt
ict) et nit gejagt! 3t;fflict) üt nit n>tr)ber alä een Stonb bon
(Sraruhrrg af." $)a fa§ ein fleiner §err mit einer großen 33riüe
mir grab' gegenüber, ber l)atte bieder ftumm $uget)ört; jefct rourbe
•^cni )u btrrtt, unb er fragte mict) berfct)mifct: „®umri Grtt mie
btim of fä'gen, roo ef t)er finn? (5tt finb jo fo geliefert a3 en
©auf," uttfc babei reichte er feine Sct)nubftabaf8bofe berum. „£m",
[agte id), „(St)r fibb enttoeber ut)3 bem ©eftfär)tifd;e, ober (5t)r
möfu bo bei ®ttmmer«bact) $u iput)$ fenn." $)er f leine §err
loolire grabe niejen, aber ba$ bergaj er bor lauter 3ä)red, unb
eru als ber Kölner it)n laä)enb fragte: „ s #a, mo fibb (S()r bann
fpx?" bracf)te er niefenb bie Sorte r)erau$: „Ut Herreshagen,
t)aj$iab! — bie ®ummer$baä), t)a$siar)!"-
3efet t)ätte isiner ben Tumult fet)en follen! (5« mar gut,
bafj cd im gaujen Sofa( rect)t munter Berging, fo baß totr an
unferm nict)t befonber« auffielen. ÜÄein ^ötner mottte aber
nun in aüem (5rnft erfahren, toie fo roaö mi5gticr) roär', unb bie
3(nbern loaren ebenfo berfeffen brauf, ba§ ict) ir)nen bie Sad;e
erflärte. T>a r)ab' ict) benn ben ^erren auäeinanbergefefct, baß
ict) gar nict)t etwa mit bem Xeufel im 33unbe fteefte, fonbern bag
ba» 2lüe$ mit ganj natürUct)en fingen juging. ^)a| tet) nämlict)
fct)on feit langer 3^it eine gro^e Liebhaberei für bie statte ^r>rad;e
in unferem 9tt)einlanbe ger)abt bätte unb bafj ict) nun, um bie
8act)e 'ma( ganj grünbtict) fennen ju lernen, mict) an atte Ler)rer
in ber ganjen 9?t)einprobinj getoanbt r)a'tte um 3}^ittt)ei(ungen
tu bem ^ßtatt, rote eS in ir)rem Orte gefr;rocr)en roürbe. $)aj$ bann
bie aüermeiften mir arret) ben ©efaüen getr)an r)ätten, unb ba§
ic^ baburet) ba« ^ßtatt oon über 1500 Orten fct)ön fct)n)arg auf
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toeifj 5U §aufe liegen fyätte. £>arau« mollte icty nun eine $arte
jufammenfteüen über all' bie »ergebenen 9ttunbarten, mte fie
bei £leoe unb bei (Slberfelb, bei ®tabbad(> unb bei (Eupen bi«
herauf an bie 9ttofel beutige» Jage« gefproctyen roerben. Unb
toeil ic$ jufällig ba« 4öüd)clc^en bei mir batte, in bem alf bie
tarnen unb treffen ber ieljrer ftanben, fo 30g i$ ba« benu fyeroor
unD jeigte e« runb. £)a ging benn aber ba« gragen lo«, fyaft bu nicfyt
gefefm ! 2Öo £erre«fyagen unb 3tyffK$ unb alf bie anbern Orte,
au« benen grab (Siner ba n>ar, getrieben ftänben unb wie bie $efyrer
ton ba biegen. Unb toie Sitte« fyübfcty ftimmte unb ber £)icfe im
blauen Littel mit Vergnügen erfabren, baß fein s Jiacbbar babeim,
ber Sebrer g anbei, aud) b'rin ftanb, unb al« ftdj nun 5ltle nne*
ber einigermaßen beruhigt Ratten, ba meinte mein Kölner, inbem
er unb bie Anbern alle aucfy frb'blicfy mit mir anftiefjen: „Sejjt
<5^r no, minge leetve £)äljr, mat icb jifc bä'bt, toann icty op örer
©teil n>ör? 3cty ging jifc (jer uu fcbreoo e flet nett 33öcfyelcben
üooer et jan^e 9?Ijingf(fye $latt, bat mer bo bocfy en« jett
brüooer lefe fünnt. Dann bat intreffeert Onfereiner bod? ocfy
jett, bat e« net btog fujett för Uecfy gelegte $äbren. Un icb
mein, bat <ß(att e« boefy jo ebfcfy un « ©ad), bann meer fprecfyeu
et ber janje Dag un tyann un« greub brau!" Da« n>ar richtig
gefprocfyen, unb bie Slnbern am £ifcfy waren alf bamit einberftan^
ben. Drum tyab' iety benn ifmen Sitten beim Slbfc^ieb ba« oer^
fprectyen müffen, ba& td^> ben SBorfctylag unfere« Kölner« ausführen
ttoüte. Da« tyab' icb benn Ijier gehalten, fo gut id&'« fonnte unb
bab' ein Heine« Äärtcfyen baju gejeicfynet, bamit Sitte« biet ftarer
irnrb. Seil i# aber bodj> aß' bie ÜJhttyeilungen, au« benen iety
ba« ©anje $ufammengefiettt fyabe, ben ßebrern in aü' ben ein*
gelnen Orten oerbanfe, fo fyab' iety'« ben Sefyrern auety gemibmet.
So mag'« benn biuau« gelm unb mag allen Denen, bie miroon
nab unb fern fyer geholfen, meinen beften Danf fagen! Unb reetyt
aufrieben mill icfy fein, toenn e« fie Sitte „monfter on gefonf", toic
ber ^einläntcr fagt, antrifft unb wenn'« ibnen Sitten eine fleine
greube madbt.
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llnfer lieber Ütyein erlebt auf feinem öaufe burcfy bie ^cfyioeH
unb burd) Deutfcfylanb allerlei v Jfamen$oeränberungen. So er
cntfprtngt, f?oc^> auf bem St. ®ottfyarb, ba taufen fte ifm 9?fyi
unb tiefen Flamen behält er bei, bis er ben Söobenfee oerlaffen
fyat unb bann an 33afel oorbeigefloffen ift. Da tuirb er jum
9?fyien gemacht, bocfy ba$ bauert nicfyt lange, benn fd)on in ber
batyrifc^en ^fal^ fpricfyt man ntdjt mefyr oom 9?^ ien, fontern
com ftfyein. 21ber toenu ber „Rabber 9tyein" fidfr SWainj unb
Döingen unb (Soblen$ befehlt unb feine fcpnften Weinberge im
2?orbeigelm begrüßt Ijat, bann mu§ er ficty balb lieber einen
neuen tarnen gefallen laffen. $li eb er reif ig auf bem linfen
unb Hönningen auf bem regten Ufer finb bie legten Orte,
n>o man tfm 9tbein nennt, Sinzig bagegen unb gegenüber
SeubSborf, Dattenberg unb 8tn$ liegen am föbeng.
Unb jeber Bonner ober deiner ober Düffelborfer toeifc ja, bag er
ebenfalls am ftfjeng ober föfying n>o^nt. Unterhalb Düffel*
borf, auf bem linfen Ufer fctyon ton $überid>, 1 ©tunbe ton
Düffelborf, an, auf bem rechten aber erft unterhalb & fingen,
gegenüber Uerbingen, oenoaubelt ftdfj ber Warne auf« s Jfeue
unb für eine fur$e Strecfe, bis unterhalb Orjoty, Ijeifct'S nun
föfyien, bann aber ffiljinn, unb als ftfyinn tritt ber glu§ in
$ollanb ein, wo er noefy einmal jum (Schlug feinen frühem
s )2amen Wff ein (getrieben ftijn) befommt.
33ei fo biet v&cfyitffalen ift e$ ein toafjreS ®lücf, baß fein
tfieblingSfinb, ber ©ein, überall treulich fein $eo$ mit iljm tfyeilt.
©onft fönnte man ja bloß fjocfybeutfcfye ®ebicfyte machen auf ben
33atev 9tyein unb [einen Sein. Bo aber ift ba« in allen 2Jhmb*
arten möglich, benn too man 9?f;ein fagt, fagt man auc§ Sein,
unb roer am ftljing toobnt, trinft Sing, unb SKfyinn unb
Sinn, ftfyien nnb Sien, fttyi unb Si getyen ftetä jufammen,
n>ie fte ja audj oon $Ked?tsn>egen jufammen gehören.
21uS biefen jtoei Sörtern, ein unb Sein, fö'nnen mir
nun fcfyon jtoei wichtige ®rentfunfte für bie 3)htnbarten in un*
ferm ftljetnlanbe fyerauSlefen. Denn n?o man aufhört „Offyein"
3U fagen unb anfängt, oom „SRfjing" $u fprectyen, alfo bei ©in*
jig, ba J)b*rt bie eine SWunbart auf unb e« fängt eine jtoeite an.
Unb njo ber Otting $um ftljien ober föfjinn n>irb, alfo furj
unterhalb Uerbingen, ba fyaben toir bie britte rfjeinlänbtfctye
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3Kunbart. 3egt wollen mir emal unterfucfyen, tote ficfy bcnn
btc ©acfye lanbeinroärt« oon biefen beiben fünften am 9tyetn
naify SBeften unb Often »erhält. SBoröer aber wollen Wir oon
jroei fleinen (Gebieten in ber föfjeinprooing reben, welche in ifjrer
©pracfye gan$ oon ber Umgegenb oerfd^ieben finb.
3m Slnfang unfere« 3afjrfmnbert«, nodj> bei Sebjeiten ber
Königin &mife, alfo bor bem 3a$re 1810, wollte eine größere
2ln$aftf oon Sanbleuten aus ber batyeriföen $fal$ au« (Suropa
auswanbern. <5ie waren glücfltcty bis na$ §ollanb gefommen,
ba würben fie oon fjabfüctytigen Agenten nm iljre geringe 33aar-
fdjaft betrogen unb fonnten nun Weber oorwärtS no<$ rütfroärtS.
$>enn Grifenbalmen gab'« bamalS nodb nid^t, unb oljne alle aJHtte.
ftc$ in ii)x ferne« |>eimatlanb burcfyfctylagen, ba« ging ntdjt anl
On iljrer 9?otlj roanbten fie fiefy an bie bamalige Äönigin oon
Greußen, unb burefy bie SBermenbung berfelben erhielten fie ben
tfftlicfyen £f)eil beS großen 9teid)SwalbeS im Sleoifd^en jur 2luS*
vobung unb Bebauung angewiesen. $)ort Ijaben fie bann brei
ßolonien gegrünbet unb fie jum eroigen Slnbenfen an bie Ijod^Ijer*
jige Königin Öouife unb jur bleibenben Erinnerung an iljr eigene«
^peimatlanb, bie ^ßfalj, £ouifenborf, ^eulouif enborf unb
•ßfal^borf genannt. 3fjre pfäljer ©pracfye unb Xxaty unb
bitten fyaben fie treu bewahrt unb }o fommt es, baß man Ijeut*
jutage mitten im Sleoerlanbe, jwtfd^en (Salcar, (Sodty unb Uebem,
bie Öeute in echtem pfäljer ^Dtalect foreetyen Ijört, ber faft in
jebem Sorte anberS ift als ber cleofetye.
ftun muffen roir uns an ein ganj anbereS (Snbe ber 9tyein*
prooinj oerfefcen — na<$ s iflalmebb. üftalmebty liegt nur V»
©tunbe oon ber belgifd^en ®ren$e entfernt, unb in 2ftalmebty unb
etroa 25 Ortfctyaften ringsum fpric^t man oon Alters ^er fein
beutfcfyeS, jonbern ein franjöfifdjeS $tatt, baSfelbe wie im bena$*
barten Belgien. ^Die testen beutfe^en Orte naety Söeften ju
Reißen Söeiwerj, @i$b>pcn, 3oelbingen unb 9?e#t, unb trofcbem
baß 53. 2öeiwerj nur 1, a Stunbe oon bem nä'd&ften franjbfifc^en
Orte (Sfyampagne entfernt ift, finbet bo<$ gar feine 3Kifc^ung
$roifcfyen ben beiben Spraken ftatt, fonbem ber eine Ort ift ganj
freutfefy, ber anbere ganj franjöfijcfy.
ißon StDtalmebty reifen roir naefy Uerbingen juriief unb rool*
len uns einmal erfunbigen, rote in bertiger ©egenb ein einfache«
SBörtcfyen, baS 3ebermann fennt unb 3ebermann jeben Jag ge*
brauet, auf $latt Reifet, icfy meine baS Söbrigen „i$". 3n
Uerbingen fagt man ecfy unb ebenfo in ^ofyenbubberg, ba« V»
©tünbe^en nörblic^er liegt. ®e^t man aber nod^ Va ©tunbe
roeiter nac^ Horben gu, nac^ Rumeln, fo prt man rttd^t mefyr
ed^, fonbem ecf, unb nun fann man nac^ Horben reifen bi« an bie
^orbfee, man finbet fein e ety me^r, fonbern nur e (f ober i &. W>ex
roie fiept's benn oom $R^ein nad^ Often unb Seften bamit au« ?
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s
Wart} SBefien ju ift bie Sache fc^r einfach, matt jtefyt oon Rumeln
eine faft gerate Sitae quer burch'« £anb bi« jur boüänbifc^en
(SJrenje, fo trennt biefe alle Orte, toel<he ecf für ich fagen, öon
allen, welche ftatt beffen ech Ijaben. Oeftlich oom $heut läuft
biefelbe ®ren$linie bi« $ur SRuhr grabe toetter, bann aber macht
fie, toie ba« tärtchen jeigt, einen Sogen nach ©üben $u, geht
jnrifchen (Slberfelb unb Sonnborn burch unb ifontmt öftlich oon
ßefenfjagen im Greife Salbbröl an bie toeftfälifche (Srenje.
s Dcun giebf« noch ein jioeite« Sörtchen, ba« man ebenfalls
feijr oft im 9ftunbe führt, nämlich „auch". 2)em ergeht'« ganj
grabe fo, toie bem „ich", benn in allen Orten, too man ed£> fagt
für ich, fagt man och für auch, unb überall, too man für ich
ecf ober icf gebraust, heißt ba« ^oc^beutfe^e auch auf platt of.
2Üfo trennt unfre Uerbinger ®ren$linie alle biejenigen Orte, in
melden ich unb auch ba« ch im <ßlatt beibehalten, oon allen
benjenigen Orten, in melden bieje« ch in t oenoanbelt toirb.
„2lha", wirb jeßt 9ttancher benfen, „in bem $ fteeff«! Unb
trenn ba« ch oon id) unb auch jo fchön nach einer unb berfelben
^renjlinie fich in f oertoanbelt, fo toirb'« tooljl auch bei allen
anbern ^odbbeutfc^en ch ber Sali fein." Unb babei fjat er nicht
ganj Unrecht. Sir tooüen mal einige oon ben oielen Sörtern
mit dt> nebmen, $. 33. buchen, machen, rauchen, Sache,
Such, fprechen, gebrochen, toetch, r e id^ unb nachfragen,
loa« im ^ßlattbeutfchen an ben einzelnen Orten au« btefem de)
toirb! £>a finbet fid^ benn, bafj nörblich oon unfrer Uerbinger
£inie in all' biefen Wörtern ein f gebrochen toirb, niemal« ein
ch, toie Geber, ber ba geboren ift, fehr leicht erfahren fann. s )ton
müßte man aber audt) füblich oon unfrer ®ren$e überall ein ch
^ören, ba« ift jeboety nicht ber gall, fonbern ein gan$ breiter
Streifen, ber an ber IjollänDifcfyen (Brenge am breiteften ift, nacb
Often ju aber immer jchmaler toirb unb bei Siooerfürtb ganj
jpifc beiläuft, hat in buchen, machen, raupen unb all biefen
Wörtern boch noch ein!, obgleich er in ech unb och für ich um>
auch ba« dt» fyatl Äommt man aber noch weiter nach Süoeu,
fo hören alle f in all biefen Sörtern auf, unb man ftnbet lauter
ch toie im §ochbeutfchen.
2)a müffen mir benn, toenn nur mit bem ch unb f in *
föetne fommen tooüen, noch eine jroette ®ren*tinie fliehen! 5)ieie
geht nbrolich oon Benrath über ben Mfein, bavum toollen uni
fie bie ^Benrath er Sinie nennen, unb fie läuft nach Seften $u
in einem Sogen bi« {üblich oon ® eilen! irchen an bie hoüän=
bifche ©renje, nach Often aber jiemtich grabe, bi« fie bei Sioper-
fürth mit bei* Ueroinger Stnie jufammentrifft. $$on ba an
laufen beibe gan$ genau jufaramen. ®an£ feltjamer Seife fommt
unfre Senrather Öinie noch einmal über bie hollänbifcbe ©ren^c
jurücf, unb jwar $ttnfchen dachen unb ßupen, uno fchneibet
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ben Weftlicfyften Xfyeit be« Greife« Gzupeu ab, benn fyier fittben Wir
ebenfatt« ein f in folgen, machen, fucfyen u. f. tu., aber in idj
unb audj ein d&.
<§el?en toir un« aber bie Söenrattjer ©rentfinie ma(
etwa« genauer an! Obne oiele «Sprünge unb 2Btnfel.$üge ;u
machen, giefyt fie fidfj fyübfcfy etnfact) quer burefy bie gan^e föbeiu*
prooin$, oft jwifcfyen ^wei Orten fnnburety, bie nicfyt weiter alo
Va <5tünb#en bon einanber entfernt finb unb — fybrt man in
irgenb einem Orte füblicfy oon btefer Ötnie ptatt fprecfyen, fo fin*
bet man in alten SBörtern, bie im §odbbeutfcben ein in bei"
Dritte ober am Cntbe fyaben, ba«felbe cfy wieber im statten;
fommt man aber in ben nädjften Ort nörbtiefy oon ber ©enratber
ßinte, fo fyat ba« $latt wie mit einem 3auberfcfytage alle biefe
cfy, bi« auf ba« in id? unb auefy unb nodb ein paar Sb'rtern,
in f berwaubelt!
Unb wa« ba« ©cfyönfte ift: ba« ift uoefy gar md)t einmal
Sitte«, wa« fi# bei jener Öenratfyer Vinte fo plöfclicfy änbert!
Sitte Ijodjbeutfcfycn ff unb g in ber Üttttte ober am önbe ber
Sb'rter, j. 23. in effeu, fyei§, Steffel, ©d&üffel, 8$luffet,
gefctyoffen, groj?, laffen, gu§, beigen, finbet man im ^ßlatt
tu atten Orten füblic^ ber öenratfyer ßinie grabe fo wieber,
unb nörblicty oon tyr ftetyt )tatt beffen überall ein t unb e«
^eißt: eeten ober iäten für effeu, grot ober grut für groß
u. f. U). 9cur nafye am 9tyein gefyn bie ff unb § noefy etwa«
me^r naety Horben, bi« nörbtidfj oon SDüffetborf; barüber barf
man fid? aber gar nic^t oerwunbern, benn am föfyein ift oon
Sitter« tjer ein lebhafter $erfebr gewefen, fo bafc e« fer)r natür*
lid& ift, wenn fjeut^utage am Dfbeüt unb nafje baran bie $)ialecte
fiefy etwa« oermengt fyaben. Unb ganj ebenfo, Wie bem cfy unb
ff unb fj ergebt« bem f ober ff in ber Dritte ober am (5nbe ber
fyocfybeutfdjen Sb'rter, j. $8. in <Scfytff, fetylafen, rufen, tief,
bejoffen, ööffel! 3)enn nur fübltcfy oon ber Söenratfjer Sinie
bat ba« ^ßlatt tjier ein f wie oa« £)o<$beutfcfye, nörblicfy bagegen
finben wir ein p, ftatt be« f ober ff, 5. 33. lopen ftatt taufen,
beep ftatt tief, fcfylopen ftatt fcfylafen u. f. w. Unb noety
meljr! Sitte fyocfybeutfcfyen Sörter, bie mit $ anfangen, wie 3 e *t/
$wei, jwölf, $wan$tg, ju, 3af>l, 3eug, 3a^n, 3etye,
jeljn Ijaben fübltcty ber Jöenratfjer Ötnie, nalje am föfjein aber
auefy nod? nbrblicfyer, bi« hinter &aifer«wer tfy, ebenfatt« 3 im
platten, bagegen nörblicty ber 33enratljer ßinie unb am följein
nbrblicty oon $aifer«mertfy fangen fie attc mit t an, fo ba§ e«
nun Sieb für 3ett, twei, twätf u. f. w. fcigt — Sitte«
ba« gilt natürlich auc^ oon bem Keinen (Setzen bei öupen, oon
bem wir oben gejproctyen ^aben. Damit aber Sebermann oottenb«
flar einfielt, wie wichtig bie 53enrat^er Bprad^gren^c ift, willig
noc^ bin^ufügen, ba§ biefe fetbe ©renittnte Offen W
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quer burdj ba« gan^e fceutfcbe dieid} fortfe&t, bi« an bie
polnifcfye ®renje, unb baf? a H e beutfcfyen üftunbarten f ü b 1 i c$ bon
biefer ganjen Shtie bi« fyinauf in bie 2>d(>wei$ unb bis nacfc
Oeftreicty l)in, mögen fic fyei&en, wie fie wolleu, unb mögen fie
in anbern Dingen fn'mmelweit bon einanber berfcfyieben fein, biefe
$ unb ff unb §, unb f unb ff in ber -äJfttte unb am <5nbe unb
bie 5 am Anfang ber Söörter mit bem §ocfybeutfc$en gemeinfam
fyaben, unb bafj bagegen alle 9ftunbarten nörblicfy bon biefer
$inie bi« an bie 9iorb* unb Oftfee unb weiter fogar ba« Rollern*
bifd;e unb Dänifdje unb jenfeit« be« üfteere« ba« (Snglifcfye unb
«Scfywebifcfye unb 9?orwegijcfye, ja fogar ba« 3«la'nbifd)c, bie ja aüe
mit bem Deutzen nocfy eine gewiffe Steljnlicfyfeit fjaben, feine cfy unb
ff unb f unb i mefjr fennen, fonbern an Stelle berjelben überall
f unb t unb b unb im Anfang ber Wörter t forec^en.
^un wiro wofyl ^temanb inefyr im Steife! barüber fein,
baß bie 33enratfjer ®ren$e eine ber aüerwictytigften im ganzen
ittfyeinlanbe fein muß! Da« wollen wir uns benn aber aucfy
grünblicfy merfen!
„21ber", }o fjöre icty jefct ben (Sinen ober Slnbern fragen,
„warum fjaben tt)ir benn im Anfang un« alle bie 2flüfye gegeben
mit ber Uerbinger Öinie? bie- ift benn bo$ wofjl gan$ über*
flüffig!" Slllerbing«, wenn'«blo« bie jwei ©orteten ic$ unb auc$
wären, für bie mir ba eine ®ren$e gebogen Ijaben, bann wäre
ba« feljr tfyöricfyt. Denn bann fönnten wir un« bran Ratten unb
Trennlinien jie^en freug unb quer, unb bie $arte fäfje julefct au«
wie ein rotfc« Spinngewebe unb jeber Ort Ijätte feinen eigenen
Dialect.
2Öie aber, wenn nocfy eine ganje $eil)e anbrer (Sigenjcfyaften
ba« SßCatt nörblicfy oon ber Uerbinger £inie fdjarf unb beutlicfy
bon bem füblicfy Ijerrfcfyenben trennten? Unb fo ift e« in ber
ZfyaL £Öir wollen juerft einmal bie linfe 9tyeinfeite oornefymen.
3n allen Orten füblic$ oon ber Uerbinger Öinie fyeijjt ifyr auf
platt efjr, ober üljr, eudj ^eigt öcty ober ücty, euer ^eigt öre,
üre, alle« Sörter, bie bem £octybeutfc$en ganj älmlicfy jefyen.
^örblic^ oon ber Uerbinger Trenne aber lautet iifx gej ober ge,
eucty lautet ou ober ow, euer ^etgt oue ober owe, alfo ganj
anber« al« im #octybeutfctyen , bagegen feljr äfmlicty wie im
§ollänbifc$en, wo e« gej, fi unb üw fyeifjt (gefctyrieben gij, u
unb uw.)
gerner alle Sörter mit nb in ber üftitte, wie finben,
binben, ßinber, anber«, £änbe, gefunben fyaben nörb=
licfy oon Uerbingen ebenfaü« nb unb grabe fo fyaben fie nb im
$ottänbifcfyen; füblicty aber ftefyt ftatt be« nb meiften« ng unb e«
fyeijjt fenge, benge, angerfcfy, $enger u. f. w. Unb nb am
(Snbe ber Söörter, wie §unb, gefunb bleibt nörblicfy nb, aber
f üblicf> &ei&t'«$onf ober <pon-ft, $enf ober Äenft, unb 2öin=
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1t
ter, munter lauten nörblicfy 2Öent er, monter, jüblicfy Senf ter,
ntonfter. 9iuu nnü icfy nur nocfy Sind ertoä'ljnen, bann roirb*^
tooljt genug fein. Senn (Siner bem Slnbem ben Öaufpag giebt,
bann fagt er auf fyo<$beutfc$ : gel)'! ober gel?' t>eim! toenn er
aber platt faricfyt, fo fagt er niö)t: gct)'! fonbcrn, loenn er füb*
lic^ t>on ber Uerbinger (ISrenje gebürtig ift, fagt er: jauf! ober
jonf (teueres na<$ ber fyoüänbifcfyen ®ren$e $u), ift er aber
nörblid) oon ber Uerbinger $inie $u £au«, fo (agt er: gon ober
goj! (an ber fyolfänbifdjen ®ren$e). Die Uerbinger ©rett^c ift
atfo gar nicfyt $n oerac$ten , benn norblid) oon ifjr fjerrfcfyt ein
galt) anbere« «platt aß füblid}. Unb jtoar ift ba$ Sßfatt, ba3
auf ber linfen föfyeinfeite oon Uerbingen biö abtoärtS uacfy (Sleoe
ge[j>rodjeu toirb, im ®ro§en unb ©anjen ein unb baSfelbe, unb e$
ift oon allen beutfcfyen 2ttunbarten biejenige, bie bem $>oüäubifcfyen
am ät)n(icf>ften ift. 28 ir motten fie bie nieterrfycuüfcfye nennen.
Diefer nieberrfyeinifcfye Dialcct gcr)t aber auefy über ben
ftfjein hinüber, benn nirgenbS bifbet ber &ljem eine ©praefy* ober
Dialectgrenje. Allein re$t$ oom föfjein gehört nur ein ettoa
1 Ütteile breiter Streifen ju biefer 2Jcunbart; öftlicfy oon ber
auf bem $ä'rtcfyeu angegebenen £inie $ioifcf;en 3(felburg unb
Wee$ beginnt baä n> eftf äti fcfye 'JMatt. £)ier fagt man nietyt
mefyr gej ftatt ifyr, fonbern ej, ij, unb im Greife (Sffen gitt,
bann füblidjer gött ober gett unb bei Sföipperfürtfj unb
(Gummersbach ätt. Unb euety fjeigt nur oon 3ffe(6urg biß in
bie £it>*>egegenb nod) u ober ou wie im 9iieberrfjeinifd)en , oon
(Sffen an aber lautet'3 inf, enf ober iJnf. Da« nb aber in ber
Sttitte ber Sbrter toirb im 2Öeftfälifd?en ntd}t 511 ug tote füblidj
oon ber Uerbinger ®ren$e, fonbern ju nn, atfo f innen, binnen,
finner, gefuunen u. f. to. (Sin anbrer Unterjcfyieb, ber ba$
^(att oon gan$ Seftfalen fd)arf (Reibet oon allen rfyeinifd&en
3ftunbarten, jeigt fiefy in ben formen für id) gefyc, tefy ftefye,
icfy tfyue, idj fcfyfage, biefe Reißen nämlicfy am fttyein gönn,
ftonn, bonn, fdjtonn ober goljn, ftofjn, bofyn, fctyloljn, atfo
alle mit n am Qmbe. Ott gan$ Söeftfalen feigen fie gofy, ftofy,
bau, fcfylofy, atfo ofyne n am (Snbe. %n einem biefer SÖb'rter
fann man fofort erfennen, ob ©ner loeftfa'lifcfyeS $latt fprtcfyt
ober rljeimfcfyeS. (Sntticty falten Sebent j»ei (Sigentfjümlictyfeiten
be£ ©eftfälifcfyen fefyr leicfyt in'« Df)r, toenn er über bie Uerbinger,
£inie naety 2£eftfalen $u ge^t: Der Seftfate oermanbett atte,
langen u beö ^oc^beutfehen, j. in ^öue^, Xuö), gufc, §ut,
®Iut, in au, fagt atfo: S3auf, Dauf, ^aut, ^>aut, ^taut,
unb er oernjanbett bie meiften te in ei, fagt aljo ftatt ti f eb,
tief, «rief: leito, beio, «reif. Daß fefylt in aüen 3)?unb^
arten am Üiljein, auc^ in ber ©egenb oon 3ffe(burg unb ©c^errn*
betf fennt man e« noc^ nietyt.
^htn mug id^ noc^ bemerfen, ba§ bie ®ren^e jtotfe^en bem
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"Dcieberrhetnifchen unb bem Seftfättfchen fich überhaupt nicht (o
fdharf beftimmen täfjt, ba« fommt feljr einfach batjer, bafe biefe
beiben SDcunbarten ziemlich Diel Sehnliches ^aben unb fic& ba*
her oon 2Uter$ her leichter haben oermengeu fbnnen.
Sir ^aben nun fd^ou 2 üDmnbarten gefunben, 1) ba$ s 3iie«
Derrhe inifche »on Uerbingen rbeinabroärts biä $ur hoßäuDifchen
(#ren$e, 2) Da$ Seftfälifche, ba$ einen langen Streifen an ber
($ren$e ber ^rouinj Seftfalen einnimmt. Sa8 machen n>ir nun
mit bem (Gebiet ^ijc^en ber UerDiuger unb ber #3enrather
Vinie? £)errfcht hier auch eine befonoere üftunbart? SRein ! fon*
bem baä ^ßtatt, Da3 fyier gebrochen toirb, ift ein ®emtjch aus
ben nörDlich unb jüDlich angrenjcnDe u üftunbarten. $)a*
her fommt e8, bag in biejem ganzen (gebiet, alfo in ben Äretjen
<#eilenfirchen, Reinsberg, (5rfelen$, itemben, (Glabbach, SrefetD
unD ber ücorbhätfte beS Greifes itteuB, ferner in ben rechte
rheinischen Greifen SDüffelborf, SOcettmann unD ber uövDlichen Jpälfte
oon Solingen unb Sennep faft mit jet>em fetten, britten Ort ber
$)iatect gan$ auffatlenD fchon oeränDert flingt. Unb jicar gilt
DteS ganj befonberS oon ber linfen fltyeinfeite unb bem flauen
Streifen recht« Dom Mfein bei £)ü)felborf, au« bem einfachen
®runbe, loeil in gang flauer ®egenb fich bie SBölfer Diel leichter
»ermengen fonnten als in ben bergen. $)aher fönnen wir auch
nur in ben Söergen, im fogeuannten $ er giften, noch einige
^renjUnien mit Sicherheit jiehen. Unb baju motten ttnr bie
Sö'rter SKtjetn unb Sein benufcen. On ©üffetborf fagt man
bekanntlich SR hing unb Sing, auch in ber Umgegenb; fobalD
aber bie $3erge anfangen, öftlidh oon Natingen unb ^iloen,
hört man Wfyitn, Sien ober SKfyhtu, Sinn, unD bamit finb
voix im bergifd^en $)ialect. Diefer verfällt aber mieber in 4
Unterbiatecte : 1) ben Solinger, 2) Den iRemfcfyeiber, 3) ben WlttU
manner, 4) ben Sülfrather Diatect. ©er ^Wettmamter unb So*
tinger hat ehr, öch, üfjr für fyoctybeutfctyeS ihr, euch, euer,
ber Sülfrather unb 9?emfcheiber aber fchon gött unb önf. $)ie
beben nörblictyen, Sttettmann unt> Sülfrath, gebrauchen mich unb
Dich ftatt mir unb oir, gerabe roie man auch in SDüffetDorf
lagt: Dat fag' ich Dich', ober: geff mich bat! niemals: bat fag ?
ic^ Dir! ober: geff mir bat! 3m Solinger mie im SRemfctyeiDer
Dtalect aber heißt'* roie im §ochbeutfdhen: mir unb bir auf
Die jjrage mem? unb mich unD bich auf bie grage men? 5)er
Solinger hat Sinn, Mfyxnn, bie Drei anberen ü)iatecte aber
Sien, SRh^n. Um fchönften aber fdheiben fich bie oier bergifchen
©iatecte burch bie 2lrt, mte Tic Söerfteinerungdroörter, lote Stbcf*
chen, §äu«chen, Däumchen, Hänichen bitben. Senn man
Die SBerfteinerungSroÖrter unterfuchen miß, jo mu6 man auf ^meiertet
VLsfyt geben: 1) mu§ man bie Sörter, bie auf f, ch, g, ng enbi*
gen, genau oon allen anbern trennen, biefe nehmen eine anbere
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Snbung an al« bte antern; ba« fommt aber blo§ bafjer, meil
man nicfyt bequem 33ücbd)en, £ücfyctyen, Sleugc^en fagen fann
unb man Deshalb einen iöu^ftaben $ur Grrlei^terung fjat ein*
Rieben muffen; 2) aber mug man bei ben SBerfletnerungSmörteru
barauf achten, mie bie ÜRer/r^ar)! gebitbet mirb. 9tun finben fia>
in ben oier bergifcfyen Dialecten folgeube beutlictye Unterfd^iebe bei
ben $erfleinerung«mörtern:
1) Der Ott et t mann er Dialect fyat na$ Wörtern, bie auf f, g,
d>, ng enbtgen, bie SBerfleinerungsfilke *ffen unb in ber
STOe^aW-f'fe«, atfo j. 8. bat ÖÄnf ff en, bieöänff*
fe* ßodjbeutfcfy baö «änfctyen, bie 23änfctyen), na$
anberen Wörtern aber tautet^ *fen uno *fe«, alfo bat
«ömfen, bie 33ömfe« (Söäumdjen).
2) Der Solinger Dialect fjat:
bat «änfffen aber bie Sänfffer, alfo mit r in ber
ÜJfc$r$a# nic^t mit «, ebenfo bat Dörnten, bie öömfer.
3) Der 9ßülfratl;er Diatect tyat Sitte« genau n>ie ber
SW e 1 1 m a n n e r ,
4) ber föemfcfyeiber Ijat:
bat #änfelfd?en, bie «änf elfter, alfo nietyt ffen
jonbern eljctyen, unb in ber ättefyrjafyl r uid)t «, ferner
bat SSörnfen, bie $3ömfer tote ber Solinger.
■flun wirb« aber 3«*, ba§ wir oon bem bergifcfyen Sanbe
Sl&fd&teb nehmen uub un« mal füblidf) oon $enratf> umfejjen.
3um Schluß motten mir un« noety merfen, baß ber bergifc^e
Dialect fid) nicfyt gan$ auf einmal oon bem meftfälifctyen abtrennt,
jonDent Daß bie Orte, bie roie (Slberfelb, Senne b au ber
®ren^e liegen, £igentfyümlicfyfeitett au« beiben Dialecten Dur**
einanber befifcen.
xlc^t reifen mir all aufammeu nadj> $ö In. Äöfa, bie uralte
Stabt, fyat einen befonberen Stabtbialect, b. fy. e« fyat ben
Dialect, ber ring«umfyer auf bem Sanoe Ijerrfcfyt, etma« mit
fyocfybeutfcfyen Grigentljümlicfyfeiten oermengt, ma« fiety audj in
anbern großem Stäbten finbet. Wlan fagt j. 33. in Äöln
Kleiber, rein, flein, aber auf bem Öanbe ringsum $1 eeb er
reen, fleen, ober: Der Kölner fagt 33aum, $luge, rauche,
bie Umgegenb $ o o m , Doge, roocfye, unb jo noefy anbre
Sachen. Daoon abgefeljen aber ift Äölu ber eigentliche 9ftittel*
punft einer großen, bie ganje Sttttte ber Sftfjetnbrooinj einnefjmenbcn
s J)?unbart. Diefe Ijat man bie nieberfränfifdje genannt,
unb unter bem tarnen motten mir fie un« beun auefy merfen.
9iacfy Horben ift bie Söenratfyer ßinte ifyre ®ren^e, unb mir
miffen fd?on, baj? nörblicty oon biefer ©ren.je ein <piatt Ijerrfd&t,
ba« an« bem ^teberrtyeinifctyen unb eben au« biefem lieber*
fränfifdjen, ba« um Mn fjerum gefprodjen mirb, fic$ jufammen
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gemifc^t fyat. Sie aber nad&Seften, atfo na$ Slawen, $u um>
na<$ ©üben unb Often fyttt ba« ittieberfränfifctye begrenzt
wirb, ba« tooÜen toir mm unterjncfyen.
3m Seften, ba« fyaben toir oben fdjon gefefyen, ift bie
^enratfycr $inie jtoifcfyen (5 u p e n unb Slawen nodfc einmal
jurücfgefefyrt unb tyat ben toefttictyen Ztyzil be« Greife« (Sutten ab-
getrennt. §)ier fyerrfcfyt alfo ebenfo toie n ü r b Ii df> oon ber 23en=
ratfjer Sinie, Sttifcfymunbart. 2Öir muffen aber nodb eine gtüette
<&ren$(tnie im Seften $tefyen, toetctyc bie Stachen er Üftunbart
bon bem Weberfränfifcfyen abtrennt. (5« ift ferner $u fagen,
toonacfy man btefe ©renje beftimmen fott, benn, ba bie beiben
Sftunbarten fetyr äfmltcfy finb, fo geben fie gan$ attmäfig in etnan-
ber über. 3Me £inie auf bem ftärtcfyen, roetc^e bei GorneU*
munfter oorbeigefyt, gibt an, toie toeit nacfy SÖSeften ba« ®öl=
uif($e 9ttjing unb Sßing borfommt, weiter toeftficfy, alfo audj
in Slawen fetbft, fagt man Sien, SKfyien. 2Inbre (5igen^
beiten be« 3ladjener $)ialect«, bie aber nocfy cttoa« toeiter nacfy
#ötn fyin reiben, finb bie ftorm toi ex ober »ier für ba« tyocfy-
beutfcfye mir, toelcfye« im Sftieberfränfifcfyen überatt m i r ober m e r
fyeijjt, bann bie -IßefjrjaJjl ber 23erffeinerung«robrter, bie auf re
gebitbet toirb, alfo g. $3. bie $3 änf e I c$ ere, bie $3 ö meiere,
unb in ber Chipener 9Jhmbart : bie 23 änf e teuere, bie 23ö'mfere,
ferner festen im Slacfyener ^ßtatt mir unb bir, unb )tatt beffen
ftebt miefy unb biefy, toie um« oben bei 9Jcettmann unb
Sütfratt? unb fcüffelborf gefunben f>aben.
Sir fyaben nun no<$ ju fefyen, nrie ba« e b e r f r ä n f i f ä> e,
alfo bie äftunbart um £ ö i n Ijerum, fic$ na<$ Süben fyin begrenzt.
Da finben nrir benn, ba§ Ijier ebenfo toie im Horben nietyt g(ei$
eine ganj anbere SJcunbart fiefy anfliegt, fonbern bajj e« ein
Uebergang«gebiet gibt, in toetcfyem ftdb bie ntfrbltcfye unb bie fübfidbe
3)?unbart bermifcfyt fyaben. Setcfye« finb nun bie beiben äftunbarten,
bie fiefy fyier bermengeu? 1)ie nörbücfye ift tie nieberfrän-
t i f <fy e um $ ö l n , toie toir fcfyon toiffen, bie füblidje aber ift
ber 2ttofetbiatect auf bem Unten SR fyetnufer 51t beiden Seiten
ber SWofel unb ber Seftertoälber $)ia(ect auf ber rechten
Styeinfeite im Seftertoatb. SDiefe beiben, ber %)l ofe l biaket unb
ber Seftertoälber SDialect, finb faft ganj gleic^ unb man
nennt fie auefy jufammen ba« 9)Ht telfräufif e (unb jtoar
bie nörblic^fte 3Kunbart be« 3)2ittelfränfifcben, benn e« gibt
nod^ ioeiter füblid^ anbre mittelfränÜfc^e ü}2unbarten, bie un« aber
Ijier nid(>t« angefm). ©a« s Jiieberfränfifd^e unb ba« Üttittelfrän*
fifd^e finb nun aber, nrie fc^on ber Sflamt fagt, gar nidbt fo fe^r
berf Rieben, bei toeitem nid^t fo fe^r, toie ba« ?i i eb e r f r ä n t if c^e
unb ba« 9?i eb er r einif c^e e« finb. $)afyer unb bann au(^
be«^alb, tt>ei( toir je^t fd^on ganj in bergigem £anbe finb, ift
ber Uebergang«bia(ect gar nic^t fo »erioitfelt unb fo toü burdf>*
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etnanber getoorfen, tote toiv e« gtoifdben ber Jöenrattyer uub
bcr Uerbinger Stnie gefunben Ijaben. Unb fo fönnen toir
mehrere gang Rare ©tufen untertreiben unb ©renken angeben,
toie ftd) allmätig bie eine 3Jhmbart in bie anbre bertoanbelt.
$ie erfte §autoteigentyümlic$feit be« bittet f ränf if eben,
bie fi<$ Den ba an füblid(> in gang SK ittelbeutf etylanb
finbet, ift bie SBeränberung bon nb im 3nnem ber Sörter in
nn, e« ^etgt fyieralfof inn en, binnen, Dinner, gefunne,
anner fcfy für finben, binben, Äinber u. f. to. $)anad>
gießen toir bie ©übgrenge be« 9fteberfränfifc$en, alfo bie 9iorb-
grenze be« Uebergang«bialect«. <5ie läuft bon ber üftorbetfe be«
frangöftfe^cn Gebiet« bei 2)2almebfy quer burefy« £anb,
gefyt bei 3)2 erlern unb nörblicfy bou $ö'nig«tointer über
ben föfyein unb trifft an ber Dftgrenje ber 9fl)einprooin$ grabe
mit ber ®ren$e jtoifcfyen etf unb ecfy jufammen.
(sine gtoeite, ebenfall« naefy @üben fu'n febr toeit oerbreitete
Gngentfyümlicfyfett be« Sföittelf r änfifd) en ift, baß man nidjt
mel)r$>ul)«, £>üfyfer, $)ütoel, 33ufyren, Düren, Sftufyr,
ülftüfyrcfyen fonbern £>au«, § auf er, $) e utoel, dauern,
bauern, 9flauer, 9ttäuer d? en fagt, toie im £>oc$beutf$en,
unb ebenfo nitfyt meljr fetyrietoen, blietoen, fieren, biegen
f etym iegen, fonbern fcfyreitoen, blettoen, feiern, beigen,
f 4 metgen mit einem ei toie im £>ocfybeutf<$en. $)anad& gießen
toir eine gtoeite ®renglinie, biefe gefyt bei Remagen über
ben Otyein, läuft meift füblicty neben ber ©renge bon tönig«*
tointer fyer, nur im £)ften gebt fie no<$ nörblid^er al« biefe,
unb gang im Sefteu tfyeilt fie ftety in jtoei Sinne, $totfc$en benen
bie SSeränberung bon u in au unb ü in eu unb i in ei fdjon
in einzelnen Sörtern aber noefy nid^t in alten borfommt. (£ine
bri tte ^renjünie toolten toir nun noefy gießen, welche biejenige
C?igentljümticfyfeit be« 9cieb erf ränf if c$en, bie am toette*
ften naety @üben geljt, un« angibt, ba« ift bie gorm SBing
unb $ftfying für SB ein unb 9t § ein. $iefe britte Brenge geljt
bei (Sinzig über ben följein, toie toir ganj im Anfang fc$on
gelernt Ijaben. 2flit tfjr gefyt eine gang ä^nlid^e Sorm, nämlicfy
für neun nüng, faft überall genau gufammen, nur im SBeften
ger)t nüng ober nöng ober neng nod) toetter fübtidj. Wxt
biefem nüng ober n ö n g ober neng Ijaben toir bie <Sübgrenje be«
Uebergang«gebiet« erreicht, unb »on r)ier bi« jur Üttofel Ijerrfctyt
ba« reine 3Wittetf ränf if c$e.
3um @$lug toollen toir und ba« (Sange noefy einmal furg
bor Slugen führen unb uns bie ®rengtinien ettoa« genauer an=
fefyen. Sir fyaben alfo bret §autotmunbarten gefunben: 1) ba«
sflieberrfjeinifd&e bon §leoe bi« Uerbingen, 2) ba« lieber*
fränfifd^e bon «enratfj bi« £önig«tointer, 3) ba« Dftütelfrän;
fifd^e oon<Singig bi« füblic^ oon ber 3)2ofel. ^ajtoifcben liegen
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jtoei Btrxtfyt mit ÜftifchungSmunbarten, oon Uerbingen bte Ben*
rath unb oon & tfnigSnnnter 6t« Sinzig, enblich tauft am ^Jiorboft*
ranb ein Streifen mit toeftfälifchem ^Matt unb im 2öeften bei
Stachen unb Gzupen finb bejonbere üttunbarten. — Senn wir und
nun bie (Trennlinien auf ber $arte betrachten, fo fann man $uerft
bie Beobachtung machen, ba§ fie aüe quer über ben 9ft>ein laufen,
benn nirgenbtoo bilbet ber ittljein jelber bie ®renje, f omenig
j»ifdt)en $n>ei beulten Dialecten nrie auch kern $eutfchen über-
haupt unb bem ftran^öfifchen. Unb baS gilt oon feinem ganzen
£auf oon ber <Sc^tt>et| bis §o(lanb. Zweitens aber jehen toir,
ba& ba, wo ®ebirge finb, bie ®ren$linien auf ber ^>ör»e ber
Berge taufen. 3. B. bie Uerbinger Sinie oon Äettong bis bei
Wipperfürth, bie Benrather ttnie oon Wipperfürth nach Often
hin, bie tönigStointrer Sinie linf« 00m SH^cin; fo bitben auch
bie hohe 3t cht bei Ebenau unb bie Schneifel bei 'prüm eine
£)ialectgren$e. 2)arauS lernen mir benn ganj beutlich, baß bie SStfl*
(erftämme in alten 3eiten bie £h fl le* Der S^üffe unb Bäche hinauf*
geroanbert finb, n>a$ auch 8 a n$ begreiflich tft, benn im Ztyai lebt
man ftetä gej<hü$ter gegen Sino unb Setter unb h at Waffer
unb fruchtbaren Boben. Unb als fie enblich bis auf bie §Öt;en
hinauf fich auSgebeljnt hatten, toeU'S in ben untern ^^äiern all*
mälig an $lafc fehlte, ba — ja ba hätten fie ja einfach in'«
nä'chfte glufcthal hinunter fteigen fönnen, foüte man benfen! Slber
profit bie Sttahljeit! ba fanben fie'ö bort fchon grabe fo befegt
oom ^achbarbolf«ftamm, unb ba jagten fie fich «fluten borgen,
jperr Machbar!" unb fahen $u, wie fie baheim noch ein ^lä'&chen
fanben. So fommtB benn, ba§ feit fo alten Beilen, t>enn über
1000 3ahre finb boch feitbem fchon »ergangen, fich bie (Trennen
ber Dialecte unb, roaS ja fchliefelich auf ein» hinausläuft, ber
23olf$ftämme fo treulich bewahrt haben.
3lber wenn'« auch allerlei Berfd)iebenheiten unter all ben
£>ialecten im föheinlanb gibt, noch ^ größer finb boch bie Slehn*
lichfeiten in ber Sprache unb im ganzen Wefen be$ $olf$. Unb
(SinS haben bie 9*heinlänber all gemeinjam, baran fennt man
fie au«: e« finb ftbele unb gefcheibte Veute, unb wenn'S noch fo
fchlimm geht, ber ftljeinlänber ift nicht Hein $u friegen!
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$ojbud)bntcfem ujh 1'. &ojs u. 1j. in £ üffflt« tri.
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-
Ks«
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